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Eine Domain löschen? Überleg Dir das lieber zweimal

Veröffentlicht am 29.09.2026 in Blog

Die Homepage ist längst umgezogen, die alte Wahlkampfseite wird nicht mehr gebraucht oder der Ortsverein hat jetzt eine Adresse unter einer gemeinsamen SPD-Domain. Da liegt es nahe, die bisherige Domain zu kündigen und die jährlichen Kosten zu sparen.

Das Problem: Mit der Kündigung verschwindet die Adresse nicht aus dem Internet. Sobald sie wieder frei ist, kann jemand anderes sie registrieren – und damit eine Adresse nutzen, die viele Menschen noch mit Euch verbinden.

Eine alte Domain bleibt bekannt

Vielleicht steht die Adresse noch auf Flyern, in Presseartikeln oder in den Lesezeichen von Besucherinnen und Besuchern. Auch andere Webseiten verlinken möglicherweise weiterhin darauf. Wenn ein Dritter die Domain übernimmt, landen Menschen über diese alten Verweise plötzlich auf dessen Seite. Im schlimmsten Fall sieht sie Eurer früheren Seite ähnlich oder verbreitet Inhalte, mit denen Ihr nichts zu tun habt.

Was passieren kann, wenn eine Domain ausläuft, zeigt ein Fall aus der SPD: 2009 wurde die Domain der Regensburger SPD-Politikerin Margit Wild nicht rechtzeitig verlängert. Ein Dritter registrierte die Adresse und nutzte die frühere Homepage für eine erotische Kontaktbörse. Wer die bekannte Adresse aufrief, fand dort plötzlich Inhalte, die nichts mit der Politikerin zu tun hatten. Später wurde die Domain wieder abgegeben. Der Fall zeigt, warum eine Domain nicht einfach auslaufen sollte – selbst dann nicht, wenn die ursprüngliche Webseite nicht mehr gebraucht wird.

Es geht nicht nur um die Webseite

Besonders kritisch wird es, wenn unter der Domain früher E-Mail-Adressen genutzt wurden. Wer eine freigewordene Domain neu registriert, kann E-Mail-Empfang für sie einrichten. Nachrichten an alte Adressen könnten dann beim neuen Inhaber ankommen. Sind solche Adressen noch bei Onlinediensten hinterlegt, können auch Passwort-Zurücksetzungen zum Problem werden. Über genau diese Risiken bei aufgegebenen Domains berichtet das Schweizer Bundesamt für Cybersicherheit.

Denk dabei nicht nur an das allgemeine Postfach des Ortsvereins. Vielleicht wurde eine Adresse der Domain auch für Social-Media-Konten, ein Newsletter-Tool, einen Cloud-Dienst oder den Zugang zur Webseite verwendet. Eine alte Domain kann also noch wichtig sein, obwohl unter ihr seit Jahren keine Homepage mehr läuft.

Was Du vor einer Kündigung prüfen solltest

  • Adressen sammeln: Welche Webseiten und E-Mail-Adressen laufen oder liefen unter der Domain?

  • Zugänge kontrollieren: Ist eine dieser E-Mail-Adressen noch als Login, Kontaktadresse oder für Passwort-Zurücksetzungen hinterlegt?

  • Verweise suchen: Steht die Domain noch auf gedrucktem Material, in Social-Media-Profilen, Signaturen oder auf anderen Webseiten?

  • Weiterleitung erwägen: Wenn die Seite nur umgezogen ist, leite die alte Domain auf den neuen Auftritt weiter, statt sie sofort aufzugeben.

  • Zuständigkeit klären: Wer verlängert die Domain, und wer erhält die Rechnungen und Erinnerungen? Gerade beim Wechsel im Vorstand sollte das eindeutig dokumentiert sein.

Die Kosten für eine Domain sind meist überschaubar. Der Aufwand, nach einer ungewollten Übernahme alte Verweise und Zugänge zu bereinigen, kann dagegen erheblich sein. Deshalb gilt: Wenn eine Adresse einmal öffentlich für Deinen Ortsverein, Deine Kandidatur oder ein Projekt genutzt wurde, kündige sie nicht nebenbei. Prüfe zuerst, was noch daran hängt – und behalte sie im Zweifel als Weiterleitung.

 

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